Wir alle haben das Bedürfnis nach Zugehörigkeit, Liebe und Geborgenheit.

Bleibt diese bereits in unserer Kindheit unerfüllt oder nur bedingt erfüllt, kann dies uns heute in Abhängigkeiten bringen, die uns wiederum davon abhalten, uns abzugrenzen.

In diesem Beitrag werden wir auf frühe Kindheitsbeziehungen, Abhängigkeiten in Beziehungen und wie ein Verständnis darüber helfen kann, sich abzugrenzen, eingehen.

Hör am besten selbst. Viel Spaß dabei.

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Ganz liebe Grüße,

 

 

 

Der Podcast zum lesen

Wir kommen in unserem Leben häufig an Punkte, in denen unsere Bedürfnisse in Konflikt geraten. In diesem Beitrag geht es um das Bedürfnis nach Verbundenheit bei einem gleichzeitig Wunsch, sich abzugrenzen. Befinden wir uns beispielsweise in einer Beziehung, die eigentlich nicht gut für uns ist, aber unser Bedürfnis nach Verbundenheit stillt, dann wissen wir, vielleicht dass diese Beziehung nicht gut für uns ist und unser Verstand beruft sich auf unser Bedürfnis, sich zu schützen und abzugrenzen. Das Bedürfnis nach Verbundenheit, Liebe und Wärme ist allerdings stärker. So bleiben wir in der Beziehung, opfern uns auf, entschuldigen das Verhalten des anderen und hören nicht auf unseren Verstand und den Wunsch nach Abgrenzung. Wie kann das sein?

Dem Verstand mehr Stimme geben

Da ist zum einen der Wunsch nach Verbundenheit und nach einem tiefen Kontakt und auf der anderen Seite aber das Bedürfnis, sich abzugrenzen. Da kommen wir dann in einen Konflikt mit unseren Bedürfnisse und Wünschen, da diese sehr ambivalent sind. Solange wir in so einer Ambivalenz sind, ist es tatsächlich auch sehr sehr schwierig, sich endgültig in irgendeine Richtung zu entscheiden. Die Situation, in der unser Verstand weiß, was für uns gut ist, wir aber trotzdem weiter auf unser Gefühl hören und uns so zum Beispiel nicht weiter abgrenzen.

Also die Frage ist ein Stück weit, wie kann ich meinen Verstand bisschen mehr Stimme geben und vielleicht diesen auch entscheiden lassen. Gleichzeitig dürfen wir das Herz natürlich nicht aus den Augen verlieren und sollten einen anderen Weg finden, um mit unseren Bedürfnis dahinter umzugehen.

Häh?! Ich dachte, man soll seinem Gefühl/Herzen folgen?!?

Wenn man sich normalerweise mit Persönlichkeitsentwicklung, Spiritualität oder anderen Selbsthilfethemen beschäftigt ist der Grundton ja eigentlich ein anderer und zwar, dass man auf seine Gefühle hören soll. Man soll sich auf sein Bauchgefühl verlassen soll auf seine Intuition hören. Jetzt sagen wir ja rein theoretisch das Gegenteil gerade bzw. der Wunsch ist ja eben manchmal das Gegenteil. Nehmen wir zum Beispiel den Schweinehund, der sagt mir häufig bevor ich laufen gehe, dass das jetzt auf gar keinen Fall machen sollte. Und dem immer zu glauben ist nicht wirklich hilfreich. Also es gibt Situationen, in den mein Verstand dann schon wichtig ist und den Überblick hat. Mein Verstand erkennt zum Beispiel, dass ich mich nach der Sport besser fühle.

Also wir können schon das Gefühl hinterfragen und gucken: “Okay, hat das jetzt eigentlich etwas mit dieser Situation zu tun oder ist das jetzt irgendwie so eine Art Vermeidungsstrategie oder ein Weg um kurzfristig meine Bedürfnisse zu stillen?” irgendwie zu.

Das Bedürfnis nach Verbundenheit/Liebe/Geborgenheit/Wärme

Das Bedürfnisse nach Geborgenheit, nach Sicherheit, nach Schutz und nach Wärme haben wir erstmal alle. Auch das Bedürfnis nach einem empathischen und mitfühlenden Gegenüber. Wir brauchen jemanden, gerade wenn wir Kinder sind, aber auch jetzt als Erwachsene, ein Gegenüber, damit wir uns fühlen und erleben können.

Ein Ausflug in die Kindheit

Dazu gibt es auch eine Studie bzw. ein ziemlich grausame Experiment, in dem man Kinder unter Friedrich II völlig isoliert von menschlicher Zuwendung aufwachsen ließ und diese daran gestorben sind. Und das obwohl sie ausreichend Nahrung bekommen haben. In einem anderen Experiment, dem Still-Face-Experiment, reagierten Eltern mit einem emotionslosen Gesicht, somit also gar nicht, auf ihre Säuglinge. Diese reagierten darauf mit einem riesen Stress wie Unruhe und Weinen nach einiger Zeit darauf. Und das eben weil ein empathisches, mitfühlendes Gegenüber gefehlt hat.

Jetzt gibt es da natürlich Abstufungen und vor allen Dingen muss man sich auch deutlich machen, dass wir als Eltern oder unsere Eltern auch nicht immer perfekt da sein können. Darum geht es auch nicht. Man muss als Eltern nicht immer perfekt auf das Kind reagieren.

Aber wenn das komplett fehlt, also ein empathische Gegenüber, dann wird es für das Kinder existenziell. Und da geht es nicht so sehr um eine einzelne Situation,sondern um meine generelle Interaktion mit dem Kind. Also um die mehreren 1000 Begegnungen/Kontakten mit meinem Kind am Tag. Sind die hauptsächlich wenig empathisch und mitschwingend und -fühlend gestaltet wird es für das Kind wie gesagt existenziell bedrohlich und geht mit Ängsten einher. So z.B. mit einer über einen längeren Zeitraum stark depressive Mutter.

Und genau diese Beziehungserfahrung, also diesen alltäglichen Beziehungserfahrung, speichern wir in unserem Unterbewusstsein. Und dieses formt dann später unsere Wahrnehmung von unserem Leben, die Wahrnehmung von anderen, das formt, wie wir Entscheidungen treffen und hat damit einen riesen großen Einfluss auf unser komplettes Leben. So wie wir uns gerade fühlen, wo wir gerade sind und was wir gerade machen.

Warum erzähle ich das jetzt hier?!

Ohne ein empathisches und mitfühlendes Gegenüber in der Kindheit entsteht eine Art Leerstelle in unsere Psyche

An dieser Leerstelle gehören eigentlich z.B. Halt gebenden Erfahrung hin oder auch andere emotionale grundsätzliche Bedürfnisse die wir so haben. Haben wir z.B. die Erfahrung von Sicherheit, Geborgenheit und Rückhalt gemacht und hatten ein empathisches Gegenüber, was passiert dann z.b. in Zeiten von Unsicherheit oder Veränderungen wie Trennungen? Dann kann man auf diese Halt gebenden Erfahrung zurückgreifen. Und die geben dir dann zum Beispiel im Sturm des Lebens eine gewisse Sicherheit und einen gewissen Halt. Ist dort allerdings diese Lehrstelle, dann kann es gut sein, dass wir im Außen versuchen diese Lehrstelle neu zu besetzen (z.B. mit unserem Partner) und ohne diesen uns ohne Halt und Rückhalt fühlen und “wieder” in diese existenzielle Ängste kommen.

…und die führt zu Abhängigkeiten

Damit kommen wir in das Thema Abhängigkeit. Wenn ich mein Gegenüber, meinen Partner, meine Arbeit oder andere Aktivitäten so stark brauche, um diese Leerstelle zu füllen, dann bin ich ja dazu gezwungen, alles zu machen, um diese Zufuhr von dem, was mir der andere jetzt z.b. in der Partnerschaft gibt, sicherzustellen. So fange ich dann vielleicht an den anderen zu entschuldigen, weil ich möchte ja eigentlich nicht, dass der andere geht oder dass der andere mir dieses Bedürfnis nicht weiter erfüllt. Somit soll er diese Leerstelle weiter besetzen und das ist erstmal mein größtes Bedürfnis, weil eine unbesetzte Leerstelle ist ziemlich ziemlich ziemlich unangenehm und wirklich schwer auszuhalten.

Haben wir diesen Anker schon in unseren frühen Kindheit gesetzt bekommen dann haben wir eben etwas, worauf wir zurückgreifen können und sind nicht gezwungen an etwa, dass die Leerstelle besetzt “krampfhaft” festzuhalten.  Und auch den Situation wo z.b. sich der Partner trennt habe ich einen gewissen Halt. So setze ich mich vielleicht auch schon viel eher für mich ein, grenze mich ab und kümmere mich gut um mich, weil ich eben nicht mit dieser existenziellen Angst um die Leerstelle lebe. Und somit auch der Angst, dass der andere mir nicht mehr die Zufuhr von Sicherheit, Geborgenheit und Zugehörigkeit gibt. Weil ich das schon erlebt habe und weil ich auf diese Erfahrung zurückgreifen kann und diese Leerstelle da einfach nicht ist.

Und dieser Anker sagt nichts über meine Intelligenz oder meinen gesunden Menschenverstand aus. Nur weil der Anker z.B. aktuell fehlt, heißt es ja nicht, dass wir nicht trotzdem intelligent sein können. Das heißt, wir können schon verstehen, dass der andere z.B. nicht gut für uns ist und uns schadet. Diese Bedrohung, dass diese Leerstelle wieder leer ist und der Anker im Außen wie zum Beispiel der Partner fehlt, macht einfach viel zu große Angst, sodass wir in Abhängigkeiten landen. Und so kann es eben dazu kommen, dass wir Dinge tun, die uns eigentlich gar nicht gut tun.

Bis zu einem bestimmten Punkt sind Abhängigkeiten normal

In jeder menschlichen Beziehung befinden wir uns in einer bestimmten emotionalen Abhängigkeit. Und bis zu einem bestimmten Punkt ist das auch nicht schädlich. Also per se ist das jetzt gar nicht so etwas Auffälliges. Nur wenn das so stark ist, dass wir alle unsere Bedürfnisse zurückstecken, dass wir uns immer mehr von uns selbst entfernen oder uns auch selbst einfach nicht mehr gut behandeln, einfach nur um diesen Halt, das Sicherheitsgefühl oder ein bisschen Wärme sicherzustellen… dann wirds problematisch.

Wenn du diese große Lücke mit dem entsprechenden Bedürfnis hast (was, das auch immer erstmal genau ist) und dieses Bedürfnis nie so richtig oder nur sehr wenig und unzureichend erfüllt wurde, dann hast du zum einen wahrscheinlich nicht gelernt, mit diesem Bedürfnis umzugehen und zum anderen suchst du dann verständlicherweise erstmal eine Lösung im Außen. Wir suchen dann den Anker im Außen und das macht uns abhängig in Beziehungen

oder kann uns abhängig machen.Dementsprechend müssen wir dann alles Mögliche tun, um diesen Anker zu behalten und wie gesagt, bis zu einem bestimmten Punkt ist es völlig normal. Nur wenn das so extrem wird, dass du das Gefühl hast, dass du dich selbst aufgibst und aufopferst, dann wird es langfristig schwierig.

….endlich der Bezug zum Abgrenzen

Was bringt dir dieses Wissen oder diese Art von Selbstverständnis für deine Fragestellung dass du dich ja eigentlich mehr abgrenzen möchtest?

  1. Finde heraus, welches Bedürfnis bedroht ist, sobald du dich abgrenzst. Welches Bedürfnis erfüllt der andere. Wie gesagt bis zu einem bestimmten Punkt schenkt uns jeder Mensch irgendwas, was uns gut tut. Sie Frage ist aber: Welches Bedürfnis, das der andere dir stillt, ist so groß oder welche Lücke ist so groß, dass es dich davon abhält, dich abzugrenzen, obwohl dein Verstand weiß, dass es in dem Moment eigentlich das “Richtigere” wäre.
  2. Finde einen neuen Weg, um dieses Bedürfnis zu erfüllen. Und das bedeutet dann auch zu lernen, wie man seine eigenen Gefühle regulieren kann. Was kann dir außerdem noch helfen, damit du dir diesen Anker bauen kannst. Was kann das sein, was dir noch gut tun könnte, ohne dich zu stark davon abhängig zu machen? Ein wichtiger Punkt wird Achtsamkeit sein. Mithilfe dessen man auch in eine neue Haltung sich selbst gegenüber kommen kann, die von Selbstmitgefühl und Akzeptanz geprägt ist.

Es kann gut sein, dass du durch die Fokussierung im Außen erstmal (wieder) lernen musst, bei dir im Innen zu schauen: “Okay, was ist eigentlich bei mir los? Wie fühle ich mich eigentlich? Was ist das eigentlich für ein Bedürfnis? Was brauche ich jetzt eigentlich? Wie kann ich mir vielleicht selbst Trost spenden? Wie kann ich mich um dieses Bedürfnis nach Verbundenheit kümmern? Was gibt’s da zu tun? Welche Möglichkeiten habe ich? Und was ist das eigentlich, was ich fühle? Wo ist das verankert? Wo ist das vielleicht auch in meiner Geschichte verankert?

.Und das alles ohne den anderen dafür verantwortlich zu machen, dass der mir das gibt. Dieser/Diese kann jederzeit nein sagen. Wie Zum Beispiel…Ich möchte dich gerade nicht in den Arm nehmen, weil ich habe heute ein anstrengenden Tag hatte… und das ist auch sein/ihr gutes Recht, dass er/sie das sagt. Der/Die andere ist nicht verantwortlich dafür ,dir dieses Bedürfnis zu stillen. Wenn du diese nun hast, brauchst du einen anderen Weg, um dieses Bedürfnis zu stillen z.B. deine Freundin anrufen, Spazieren gehen, meditieren oder was auch immer dir gut tut. Also da geht es so ein darum herauszufinden:

  1. Welches Bedürfnis steckt da im hinter.
  2. Wie kann ich mich, um dieses Bedürfnis dahinter kümmern

Bis hierhin haben wir uns ja eigentlich immer noch nicht so richtig abgegrenzt das heißt eigentlich habe ich bisher noch gar nicht so richtig die Frage beantwortet…

ich glaube allerdings, dass man an dieser Stelle richtig viele Tipps und Ratschläge auf einen möglichen Internetseiten finden kann. Wie man sich besser abgrenzen kann. Wie man das üben kann. Welche Verhaltensweisen ist da gibt.

Ich würde dir mit ans Herz legen die Schritte davor auch zu machen. also eben zu gucken, was hat das mit meiner Geschichte zu tun, welche Bedürfnisse sind da und wie kann ich die befriedigen ohne den anderen, von dem ich mich abgrenzen möchte.

Damit hoffe ich dir trotzdem einen großen Schritt weitergeholfen und inspiriert zu haben, um einen Weg zu finden mit dem du dich mitfühlend und verständnisvoll begleitest.

Lass uns gerne einen Kommentar dar und/oder empfehle uns weiter an all die lieben Menschen, von denen du glaubst, dass dies hilfreich wäre.

Damit liebsten Dank 🙂